Bis zum Ende des 20.Jahrhunderts waren Strandverschmutzungen durch Öl ein alltägliches Bild an den Küsten von Nord- und Ostsee, über 90 Prozent der Strandfunde von Fremdsubstanzen an den Küsten waren Öl. Heute dagegen machen Paraffinwachse mit über 70% den Hauptteil der am Strand gefunden Proben aus.

Chemisch sind Paraffinwachse Gemische aus gesättigten Kohlenwasserstoffen, was bedeutet, dass sie sehr zähflüssig sind und bei niedrigen Temperaturen verklumpen. Paraffinwachse in der Meeresumwelt stammen z.B. aus legalen Tankwaschungen von Schiffen, die Paraffin als Massengut transportieren oder andere Erdölprodukte geladen haben. Das steigende Transportvolumen in der Nordsee-Schifffahrt führt somit zu höheren Paraffineinträgen. Des Weiteren kann Paraffin von Öl-Bohrplattformen emittiert werden, wo es sich in den Rohrleitung bei der Ölförderung abscheidet. Aufgrund seiner Stoffeigenschaften bildet Paraffin, das in flüssiger Form ins Meer eingeleitet wird, im Wasser auftreibende Klumpen. Es verbleibt über große Zeiträume in der Umwelt und kann dann letztlich an den Küsten angespült werden.

Meeresorganismen, z.B. Fische und Vögel, verwechseln auf dem Meer treibendes Paraffinwachs mit Nahrung. Als kaum verdaulicher Stoff füllt es so den Magen der Tiere, die somit Gefahr laufen, aufgrund mangelnden Hungergefühls zu verhungern. Zudem verklebt die Substanz das Gefieder von Seevögeln.

Mit dem steigenden Volumen des Schiffverkehrs steigen auch die Mengen an Paraffin, die in die Umwelt gelangen können. International wird daher die Neubewertung von Paraffin diskutiert. Ein Schritt zur Verbesserung der Situation ist eine gesetzliche Regelung des Umgangs mit Paraffin auf internationaler Ebene. Ein zweiter Schritt ist die Ahndung von Verstößen. Dazu ist die genaue Identifizierung von Paraffin zur Quellen/Verursacherermittlung wichtig. Das BSH-Labor in Sülldorf ist daher heute bereits damit befasst, Verfahren zu entwickeln, um ähnlich wie bei Ölverschmutzungen die Herkunft von Paraffinwachsen durch spezifische Analysen von deren chemischen „Fingerabdruck“ genau identifizieren zu können.

Ein laufendes Projekt am BSH hat Paraffin an Stränden der Nordsee untersucht und konnte schon viele Informationen sammeln. Bei der Mitmach-Aktion „Werde Paraffin-Detektiv“ auf dem Ostseetag kannst Du uns helfen, nun auch mehr Informationen über die Ostseeküste zu bekommen!

Wie?

Komm an unseren Info-Stand, hol Dir ein Sammelkit ab und schau Dir beim nächsten Strandspaziergang an der Ostsee den Spülsaum am Wasser etwas genauer an, denn ab und zu findet man zwischen Muscheln und Blasentang kleine unnatürliche Paraffinwachsreste. Findest du ein Paraffinwachsstück, dann kannst du dieses fotografieren, danach in das beiliegende Probengefäß geben (Handschuhe liegen dem Sammelkit bei) und in dem adressierten Briefumschlag an uns zurückschicken!

Nach dem Ostseetag werden wir hier auf der Seite zeigen, wie viele Proben wir zurückgeschickt bekommen haben.

Weitere Fragen? Schreibt uns unter strandfunde@bsh.de.
Wie gelangt Paraffin in die Umwelt? Hier gibt´s ein Poster dazu.

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